Normen & Publikationsstandards in der wissenschaftlichen Übersetzung
Wissenschaftliches Publizieren folgt internationalen Standards, die Transparenz, Nachvollziehbarkeit und Qualität sicherstellen. Für Übersetzungen bedeutet dies: Es reicht nicht, den Inhalt sprachlich korrekt zu übertragen – die Übersetzung muss auch den formalen und ethischen Standards der Zieldisziplin entsprechen.
Von ISO-Normen über journal-spezifische Guidelines bis zu regulatorischen Anforderungen: Standards definieren, was eine wissenschaftlich belastbare Übersetzung ausmacht.
Zentrale Standards in der wissenschaftlichen Übersetzung:
- ISO 17100 – internationale Norm für Übersetzungsdienstleistungen
- Journal-Guidelines – publikationsspezifische Anforderungen (z.B. ICMJE)
- GCP-Richtlinien – Good Clinical Practice bei klinischen Studien
- Publikationsethik – COPE-Standards, Autorschaft, Interessenkonflikte
- Regulatorische Vorgaben – EMA, FDA, nationale Zulassungsbehörden
ISO 17100: Die internationale Norm für Übersetzungsdienstleistungen
Die ISO 17100:2015 ist die weltweit anerkannte Norm für professionelle Übersetzungsdienstleistungen. Sie definiert Anforderungen an den gesamten Übersetzungsprozess – von der Projektplanung über die Durchführung bis zur Qualitätskontrolle.
Kernforderungen der ISO 17100
- Qualifikation der Übersetzer – nachweisbare fachliche und sprachliche Kompetenz
- Zweistufiger Prozess – Übersetzung + unabhängiges Review (Vier-Augen-Prinzip)
- Projektmanagement – definierte Abläufe, Kommunikation, Dokumentation
- Ressourcen – CAT-Tools, Terminologiedatenbanken, Referenzmaterialien
- Qualitätssicherung – systematische Prüfprozesse und Fehlerbehandlung
Was die Norm NICHT regelt
ISO 17100 definiert Prozessstandards, nicht inhaltliche oder disziplinspezifische Anforderungen. Folgende Aspekte werden nicht abgedeckt:
- Fachliche Tiefe der Übersetzung (z.B. medizinische Genauigkeit)
- Disziplinspezifische Konventionen (z.B. Zitierstile)
- Publikationsstandards einzelner Journals
- Regulatorische Spezialanforderungen (z.B. FDA-Guidelines)
Daher ist ISO 17100 eine notwendige, aber nicht hinreichende Bedingung für wissenschaftlich hochwertige Übersetzungen.
Journal-spezifische Publikationsrichtlinien
Wissenschaftliche Journals haben eigene Submission Guidelines, die formale und inhaltliche Anforderungen an eingereichte Manuskripte definieren. Übersetzungen müssen diese Standards einhalten, um publikationsfähig zu sein.
ICMJE-Richtlinien (International Committee of Medical Journal Editors)
Die ICMJE Recommendations ("Uniform Requirements for Manuscripts") sind de-facto-Standard für medizinische und biomedizinische Journals. Zentrale Anforderungen:
- IMRAD-Struktur – Introduction, Methods, Results, and Discussion
- Autorschaft – klare Definition von Beiträgen und Verantwortlichkeiten
- Interessenkonflikte – vollständige Offenlegung (Conflict of Interest Statement)
- Ethikkommissions-Votum – bei Studien mit Probanden oder Patienten
- Datenverfügbarkeit – Zugang zu Rohdaten und Materialien
- Zitierstil – Vancouver-System (nummeriert, in Reihenfolge der Nennung)
Übersetzungen medizinischer Fachartikel müssen diese Konventionen beachten – beispielsweise dürfen im Abstract keine Zitate erscheinen, und Abkürzungen müssen bei erster Nennung definiert werden.
APA-Richtlinien (American Psychological Association)
In den Sozial- und Verhaltenswissenschaften dominiert der APA Publication Manual. Besonderheiten:
- Zitierstil – Autor-Jahr-System (z.B. "Müller, 2023")
- Person-First Language – z.B. "Menschen mit Schizophrenie" statt "Schizophrene"
- Gendergerechte Sprache – Vermeidung generischer Maskulina
- Präzise Terminologie – z.B. "participant" statt "subject"
IEEE- und ACM-Standards (Ingenieur- und Informatikwissenschaften)
Technische Journals folgen oft IEEE (Institute of Electrical and Electronics Engineers) oder ACM (Association for Computing Machinery) Richtlinien:
- Numerische Zitierstile – z.B. [1], [2] in Reihenfolge der Nennung
- SI-Einheiten – konsequente Verwendung metrischer Maßeinheiten
- Mathematische Notation – standardisierte Formelsetzung
- Tabellen und Abbildungen – spezifische Formatvorgaben
Ethische Standards und Publikationsethik
Wissenschaftliche Integrität ist nicht verhandelbar. Die Committee on Publication Ethics (COPE) definiert ethische Grundsätze, die auch für Übersetzungen gelten:
- Originalität – keine Plagiate, korrekte Zuschreibung von Ideen
- Transparenz – vollständige Offenlegung von Methoden, Daten, Limitationen
- Autorschaft – faire Zuschreibung von Beiträgen
- Interessenkonflikte – Offenlegung finanzieller oder persönlicher Beziehungen
- Datenfälschung – strikte Vermeidung jeglicher Manipulation
Für Übersetzungen bedeutet dies: Der Übersetzer darf niemals inhaltliche Änderungen vornehmen, die die wissenschaftliche Aussage verfälschen – selbst wenn diese vermeintlich "verbessernd" wirken.
Regulatorische Anforderungen bei klinischen Studien
Klinische Studien unterliegen strengen regulatorischen Vorgaben, die auch Übersetzungen betreffen:
GCP-Richtlinien (Good Clinical Practice)
Die ICH-GCP E6(R2) definiert internationale Standards für klinische Studien. Anforderungen an Übersetzungen:
- Patienteninformationen – verständlich, korrekt, ethisch unbedenklich
- Einwilligungserklärungen – rechtlich gültig, alle Risiken benannt
- Studienprotokolle – präzise Wiedergabe von Methodik und Endpunkten
- Case Report Forms (CRF) – eindeutige, fehlerfreie Terminologie
- Qualitätssicherung – häufig Back Translation erforderlich
EMA und FDA Anforderungen
Europäische (EMA) und US-amerikanische (FDA) Zulassungsbehörden haben spezifische Vorgaben für Übersetzungen in Zulassungsunterlagen:
- Certified Translation – bei regulatorischen Dokumenten oft erforderlich
- Terminologiekonsistenz – über alle Module hinweg (CTD-Format)
- Rückverfolgbarkeit – Dokumentation des Übersetzungsprozesses
- Validierung – bei bestimmten Dokumenten durch Back Translation
Zitierstile und bibliographische Standards
Jede Disziplin hat präferierte Zitierstile, die in Übersetzungen korrekt übernommen werden müssen:
- Vancouver-System – nummeriert, in Reihenfolge der Nennung (Medizin, Life Sciences)
- APA-Stil – Autor-Jahr (Sozialwissenschaften, Psychologie, Pädagogik)
- Harvard-Stil – Autor-Jahr-Variante (Wirtschaftswissenschaften)
- Chicago Manual of Style – Fußnoten oder Autor-Jahr (Geistes- und Geschichtswissenschaften)
- IEEE-Stil – nummeriert in eckigen Klammern (Ingenieur- und Informatikwissenschaften)
Bei der Übersetzung muss geprüft werden, ob bibliographische Angaben (z.B. Buchtitel) in der Originalsprache bleiben oder übersetzt werden – dies variiert nach Disziplin und Journal.
Sprachliche Konventionen in wissenschaftlichen Texten
Wissenschaftliche Texte folgen disziplinspezifischen sprachlichen Konventionen, die in der Übersetzung beachtet werden müssen:
- Objektivität – unpersönlicher Stil, Vermeidung von Ich-Perspektive (mit Ausnahmen in Sozialwissenschaften)
- Präzision – keine umgangssprachlichen Wendungen oder Metaphern
- Passivkonstruktionen – in Naturwissenschaften üblich ("wurde untersucht"), in Sozialwissenschaften zunehmend Aktiv
- Hedging – vorsichtige Formulierungen ("könnte darauf hindeuten", "legt nahe")
- Nominalstil – besonders in deutschsprachigen Texten verbreitet
Der Übersetzer muss die Konventionen der Zielsprache kennen – englische wissenschaftliche Texte sind tendenziell direkter und aktiver als deutsche.
Übersetzungen nach internationalen Standards
eLengua kennt die Publikationsstandards führender wissenschaftlicher Disziplinen und Journals. Unsere Übersetzer sind mit ISO 17100, ICMJE-Richtlinien, GCP-Standards und journal-spezifischen Guidelines vertraut.
Von der formalen Korrektheit über ethische Integrität bis zur regulatorischen Compliance – wir liefern Übersetzungen, die wissenschaftlichen und formalen Qualitätsstandards entsprechen.
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