Methodik & Qualitätssicherung in der wissenschaftlichen Übersetzung

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Methodik und Qualitätssicherung wissenschaftliche Übersetzung

Die Qualität wissenschaftlicher Übersetzungen entscheidet über die fachliche Validität übersetzter Forschungsergebnisse. Anders als bei allgemeinen Texten können terminologische Ungenauigkeiten oder methodische Fehldeutungen die wissenschaftliche Aussagekraft eines Textes beeinträchtigen oder sogar verfälschen.

Systematische Methodik und evidenzbasierte Qualitätssicherung sind daher keine optionalen Zusatzleistungen, sondern notwendige Grundvoraussetzungen für wissenschaftlich belastbare Übersetzungen.

Kernprinzipien der Methodik:

  • Systematische Prozesse – definierte Arbeitsschritte mit Prüfpunkten
  • Terminologiemanagement – konsistente Fachbegriffe über gesamtes Projekt
  • Vier-Augen-Prinzip – fachliches Review durch zweiten Spezialisten
  • Back Translation – Validierung bei regulierten Dokumenten
  • CAT-Tool-Einsatz – Translation Memory und Qualitätsprüfung

Der wissenschaftliche Übersetzungsprozess: fünf Phasen

Professionelle wissenschaftliche Übersetzung folgt einem strukturierten fünfstufigen Prozess, der Qualität in jeder Phase sicherstellt:

Phase 1: Projektanalyse und Terminologievorbereitung

Vor Beginn der eigentlichen Übersetzung erfolgt eine fachliche Analyse des Ausgangstexts. Zentrale Fragen:

  • Welcher Disziplin und welchem Fachgebiet ist der Text zuzuordnen?
  • Welche Terminologie wird verwendet? Gibt es etablierte Fachglossare?
  • Welche Publikationsstandards gelten (z.B. Journal-Guidelines)?
  • Existieren bereits Translation Memories zu ähnlichen Projekten?

Bei größeren Projekten wird ein projektspezifisches Glossar erstellt, das alle zentralen Fachbegriffe mit bevorzugten Übersetzungen erfasst.

Phase 2: Fachübersetzung durch Spezialisten

Die Übersetzung wird von einem fachlich qualifizierten Übersetzer durchgeführt, der über Expertise in der relevanten Disziplin verfügt. Anders als bei allgemeiner Fachübersetzung reicht sprachliche Kompetenz nicht aus – der Übersetzer muss:

  • Forschungsmethodik und wissenschaftliche Argumentation verstehen
  • Fachterminologie korrekt anwenden (nicht nur nachschlagen)
  • Disziplinspezifische Konventionen kennen und einhalten
  • Zwischen verschiedenen Termini-Varianten differenzieren können

Während der Übersetzung erfolgt der Einsatz von CAT-Tools zur Sicherstellung von Konsistenz und Effizienz.

Phase 3: Fachliches Review (Vier-Augen-Prinzip)

Nach Fertigstellung der Übersetzung erfolgt ein unabhängiges Review durch einen zweiten Fachspezialisten. Dieser prüft:

  • Fachliche Korrektheit – stimmen Terminologie und Konzepte?
  • Methodische Präzision – wurden Forschungsdesign und -methoden korrekt wiedergegeben?
  • Semantische Äquivalenz – entspricht die Zielversion der Ausgangsaussage?
  • Stilistische Angemessenheit – passt der Stil zur Textsorte und Disziplin?

Das Review dient nicht nur der Fehlerkorrektur, sondern auch der fachlichen Validierung.

Phase 4: Terminologie- und Konsistenzprüfung

CAT-Tools führen eine automatische Qualitätsprüfung durch, die folgende Aspekte kontrolliert:

  • Terminologiekonsistenz – werden Fachbegriffe durchgängig gleich übersetzt?
  • Zahlenkonsistenz – stimmen numerische Angaben mit dem Ausgangstext überein?
  • Formatierung – sind Strukturelemente (Überschriften, Listen, Tabellen) korrekt übernommen?
  • Vollständigkeit – wurden alle Textsegmente übersetzt?

Bei mehrsprachigen Projekten wird zusätzlich die Konsistenz über alle Sprachversionen geprüft.

Phase 5: Back Translation (bei regulierten Texten)

Bei regulierten Dokumenten wie klinischen Studienprotokollen, Patienteninformationen oder validierten Fragebögen wird eine unabhängige Rückübersetzung durchgeführt. Ein dritter Übersetzer, der den Ausgangstext nicht kennt, übersetzt die Zielversion zurück in die Ausgangssprache.

Durch Vergleich von Original und Rückübersetzung können semantische Abweichungen identifiziert werden. Dies ist besonders wichtig bei:

  • Klinischen Studienprotokollen (GCP-Konformität)
  • Patienteninformationen und Einwilligungserklärungen
  • Validierten Messverfahren und Fragebögen
  • Regulatorischen Zulassungsunterlagen

Terminologiemanagement: das Fundament wissenschaftlicher Präzision

Wissenschaftliche Texte leben von präziser Terminologie. Ein Begriff wie "Exposition" hat in der Epidemiologie eine andere Bedeutung als in der Fotografie, und "Signifikanz" bedeutet in der Statistik etwas anderes als in der Alltagssprache.

Professionelles Terminologiemanagement umfasst:

  • Terminologierecherche – Identifikation etablierter Fachbegriffe in Standardwerken, Normen, Glossaren
  • Terminologiedatenbanken – zentrale Verwaltung aller Fachbegriffe mit Definitionen, Kontexten, Quellen
  • Glossarerstellung – projektspezifische Terminologielisten mit bevorzugten Übersetzungen
  • Konsistenzprüfung – automatische Überwachung durch CAT-Tools
  • Terminologiepflege – kontinuierliche Aktualisierung bei neuen Fachbegriffen

Bei größeren Projekten oder Projektserien wird eine kundenspezifische Terminologiedatenbank aufgebaut, die über Jahre hinweg gepflegt und erweitert wird.

CAT-Tools und Translation Memory: Technologie im Dienst der Qualität

Computer-Assisted Translation (CAT) Tools sind heute unverzichtbare Werkzeuge in der wissenschaftlichen Übersetzung. Sie ersetzen nicht die fachliche Expertise des Übersetzers, sondern unterstützen diese systematisch.

Translation Memory (TM)

Speichert alle übersetzten Segmente und schlägt bei neuen Texten ähnliche oder identische Passagen vor. Besonders wertvoll bei:

  • Studienberichten einer Serie
  • Technischen Dokumentationen mit Standardformulierungen
  • Mehrsprachigen Publikationsserien

Terminologiedatenbank

Zentrale Verwaltung aller Fachbegriffe mit bevorzugten Übersetzungen, Definitionen und Verwendungshinweisen. Sichert Konsistenz über gesamtes Projekt.

Qualitätsprüfung (QA)

Automatische Kontrolle auf Terminologiekonsistenz, Zahlenkorrektheit, Vollständigkeit, Formatierung und typografische Fehler. Markiert Abweichungen zur manuellen Prüfung.

Konkordanzsuche

Durchsucht Translation Memory nach Begriffen oder Formulierungen und zeigt alle bisherigen Übersetzungen mit Kontext. Hilfreich bei Termini-Entscheidungen.

Back Translation: Validierung bei regulierten Texten

Back Translation (Rückübersetzung) ist ein Validierungsverfahren, das vor allem bei regulierten wissenschaftlichen Dokumenten zum Einsatz kommt. Der Prozess:

  • Schritt 1: Übersetzung des Ausgangstexts in die Zielsprache (Forward Translation)
  • Schritt 2: Unabhängige Rückübersetzung der Zielversion in die Ausgangssprache (Back Translation) durch einen dritten Übersetzer, der das Original nicht kennt
  • Schritt 3: Vergleich von Original und Rückübersetzung durch den Auftraggeber oder einen Fachexperten
  • Schritt 4: Identifikation und Korrektur semantischer Abweichungen (Reconciliation)

Back Translation wird besonders bei folgenden Dokumenttypen eingesetzt:

  • Klinische Studienprotokolle – zur Sicherstellung der GCP-Konformität
  • Patienteninformationen – rechtlich und ethisch erforderlich
  • Validierte Fragebögen – zur Aufrechterhaltung psychometrischer Eigenschaften
  • Einwilligungserklärungen – juristische Validität
  • Regulatorische Zulassungsunterlagen – Anforderung von EMA, FDA

Wichtig: Back Translation ist kein Ersatz für fachliches Review, sondern eine ergänzende Validierungsmethode bei besonders sensiblen Texten.

Qualitätskriterien: Woran erkennt man eine gute wissenschaftliche Übersetzung?

Eine wissenschaftlich hochwertige Übersetzung erfüllt folgende Kriterien:

  • Fachliche Korrektheit – Terminologie und Konzepte sind präzise wiedergegeben
  • Methodische Präzision – Forschungsdesign und -methoden sind korrekt dargestellt
  • Semantische Äquivalenz – die Aussage entspricht dem Original
  • Terminologische Konsistenz – Fachbegriffe werden durchgängig gleich übersetzt
  • Stilistische Angemessenheit – der Stil passt zur Disziplin und Textsorte
  • Publikationsreife – der Text erfüllt formale Standards (z.B. Journal-Guidelines)

Wissenschaftliche Übersetzungen nach evidenzbasierten Standards

eLengua setzt auf systematische Methodik und mehrstufige Qualitätssicherung. Unsere Prozesse orientieren sich an ISO 17100 und berücksichtigen disziplinspezifische Standards wissenschaftlichen Publizierens.

Von der Terminologierecherche über das fachliche Review bis zur Back Translation bei regulierten Texten – wir liefern Übersetzungen, die wissenschaftlichen Qualitätsansprüchen standhalten.

Kontakt: info@elengua.de | Angebot anfordern

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